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Kongress „Uni2020“


Am 16. und 17. Juli 2004 führten das Projekt Uni-Zukunft im AStA der Universität des Saarlandes, der Landesverband Saar der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), und die Initiative Wissenschaft Saar e.V. den Kongress „Uni2020“ durch. Bei der großen Konferenz, die im Informatik-Gebäude der Universität des Saarlandes stattfand, stand die Universität von morgen im Blickpunkt. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Studierende und Lehrende der Saar-Uni, diskutierten zwei Tage über die Perspektiven der Hochschulentwicklung.

Kongress Uni 2020 Teilnehmer

Geplant wurde die Veranstaltung von einem Team, in dem sich Studentinnen und Studenten über mehr als ein halbes Jahr lang engagiert hatten. Die organisatorische Leitung lag bei Johannes Büchs (AStA-Projekt Uni-Zukunft) und Martin Sand (Initiative Wissenschaft Saar e.V.). Über achtzig Gäste, darunter viele Studierende, Dozenten, aber auch Politiker und Verbandsvertreter, nahmen an der Veranstaltung teil. Der Kongress startete freitags. Nach der Begrüßung erläuterte der damalige Universitätsvizepräsident Prof. Dr. Heinz Kußmaul seine Thesen zur Entwicklung der Uni. Die Studierenden sollen demnach im Fokus sein. Die Lehre sei wichtig, ihre Orientierung an den Bedürfnissen der Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich. Zugleich sei die Forschung von großer Bedeutung. Sie sei eine wesentliche Basis für die Lehre. Für die Saar-Uni müsse die Forschungsqualität sowohl in den Schwerpunkten als auch flächendeckend „mit besonderen Erkenntnisgewinnen an den Grenzflächen zwischen den Disziplinen“ ein Merkmal sein. Die Universität sei aber auch Dienstleister für die Region, so etwa bei Existenzgründungen, bei der Weiterbildung oder bei der Politikberatung. Beim Management innerhalb der Uni sollten betriebswirtschaftliche Grundlagen mehr berücksichtigt werden. Hierzu zähle ein kaufmännisches Rechnungswesen und Marketing ebenso wie ein Alumni-Bezug; dies müsse aber ohne eine „Ökonomisierung“ der Uni erfolgen. In ihrem anschließenden Vortrag ging Carmen Tschirkov, Mitarbeiterin des Verbundes Norddeutscher Universitäten, auf das Thema Qualitätssicherung an den Hochschulen ein und stellte dabei besonders den Bereich der Evaluation in den Mittelpunkt.

Einige der im Plenum zuvor angesprochenen Themen wurden in drei parallelen Arbeitsgruppen vertieft. Daran nahmen unter anderem die Professoren Hans-Jürgen Lüsebrink (Fachrichtung Romanistik), Klaus Martens (Anglistik) und Rainer Hudemann (Fachrichtung Geschichte) sowie Peter Szysnik von der Arbeitskammer des Saarlandes teil. Insbesondere die Schwerpunktbildung der Uni war Thema einer Arbeitsgruppe. Während die Informatik bei den meisten Diskutanten als Schwerpunkt nicht in Frage gestellt wurde, wurde teilweise angeregt, den zweiten Uni-Schwerpunkt „Bio-Nano“ zu evaluieren. Stärker gefördert werden solle der Europa-Schwerpunkt. In weiteren Workshops ging es um die „Lehre der Zukunft“ und um das Thema Studienfinanzierung/Studiengebühren. Am Abend des ersten Kongresstages fand im Obergeschoss des Informatik-Gebäudes und auf dessen großen Außenterrasse die „Penthouseparty“ statt. Am Samstag sprach Prof. Dr. Michael Dreyer, Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Jena und zugleich DAAD-Professor an der Northwestern University, Evanston, über Vor- und Nachteile des amerikanischen Hochschulsystems im Vergleich mit dem deutschen.

Kongress Uni 2020 Teilnehmer

Das Thema „Student Services“, also alle Fragen rund um die Betreuung und Beratung von Studierenden, stand im Mittelpunkt des folgenden Arbeitsblockes. Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes (DSW), erläuterte die Vorstellungen des Dachverbandes der Studentenwerke. Zu den Leitfragen gehört nach Ansicht von Achim Meyer auf der Heyde jene nach der Rolle der Studierenden in der Universität der Zukunft. Sollen Studierende „Kunden“ oder „gestaltende Mitglieder“ sein? Soll das „Solidarprinzip mit dem Ziel der Sicherung von Zugängen“ das Ziel sein oder aber eine reine Angebotssteuerung? Der Generalsekretär machte klar, dass er die Hochschulen als ein öffentliches Gut in öffentlicher Verantwortung versteht. Dabei sei der staatliche Bildungsauftrag von zentraler Bedeutung. Hierzu gehöre das Demokratiegebot, das Sozialstaatsprinzip, aber auch Eigenverantwortung und der wirtschaftliche Umgang mit öffentlichen Mitteln. Zu dem veränderten Rahmen für die Hochschulentwicklung rechnete der Vertreter des DSW die öffentliche Finanzkrise. Es sei erforderlich, dass die Effizienz und die Effektivität im Bildungssystem gesteigert werde. Zudem würden die Hochschulen zunehmend internationalisiert, und die Umstellung auf neue Studiengänge sei im Gang.

Vor diesem Hintergrund befänden sich die Universitäten in einer verschärften Konkurrenzsituation, bei der eine Verbesserung der Service-Angebote von wesentlicher Bedeutung sei. Studienberatung sei vor, während und nach dem Studium notwendig. Die Präsenz der entsprechenden Angebote auf dem Campus müsse gesteigert werden. Zur Optimierung gehörten aber etwa auch mehr Wohnheimplätze, eine hinreichende Studienfinanzierung und eine verbesserte Integration von ausländischen Studierenden. Für alle an den „Student Services“ Beteiligten folgt nach Meinung des Generalsekretärs daraus, dass es zu einer Professionalisierung kommen müsse. Das gesamte System müsse zugleich finanzierbar bleiben und die Partizipation, insbesondere die der Studierenden, gewährleistet werden. Erforderlich sei ein „besseres Campusmanagement“ ebenso wie Kooperation. Die eigenen Beiträge müssten definiert werden und bei Feldern gemeinsamer zum Teil überlappender Aufgabenerledigung über sinnvolle Wege nachgedacht werden.

Einige der im Verlauf des Kongresses angesprochenen Themen wurden danach in einer Diskussion vertieft, bei der die Vorsitzenden der Landesparteien Heiko Maas (SPD), Claudia Willger-Lambert (Bündnis 90 / Die Grünen) und Christoph Hartmann (FDP), CDU-Generalsekretär Stephan Toscani sowie Universitätspräsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel, der AStA-Vorsitzende Bernd Weber und der IWS-Präsident Martin Sand auf dem Podium saßen. Darüber hinaus waren unter anderem auch die damalige Abteilungsleiterin und jetzige Staatssekretärin im saarländischen Bildungsministerium, Dr. Susanne Reichrath, die Geschäftsführerin des Studentenwerkes, Anne Marie Oswald und Dr. Christoph Igel vom Kompetenzzentrum „Virtuelle Saar Uni“ anwesend. Nach deren Ende gab es eine Feedback-Runde, in der einerseits nochmals einige Ergebnisse der Tagung zusammengefasst wurden und andererseits die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit zum Feedback hatten. Dabei zeigte sich eine überaus positive Resonanz auf den Kongress, den die meisten als sehr gelungen werteten. Nach dem Ende der Beratung waren alle Interessierten noch zur Teilnahme am Hochschulgottesdienst der Evangelischen Studierendengemeinde eingeladen.